TOBBSAN - VISION  TOBBSAN zero EMISSION

 INITIATIVE "LAUF GEGEN KLIMAWANDEL" sponsored by TOBBSAN

 

 TOBBSAN VISION natürlich laufen - NULL Co2 Emission:

- Bei Laufveranstaltungen gibt es keinen/stark eingeschränkten Stadtverkehr und daher die besten/niedrigste Emissionswerte für alle: Sportler, Bewohner.

- Laufsport ist kein Eingriff in die Natur-"natürlich laufen".

- keine Ressourcen werden in grossartigen Sport- Anlagen verschwendet.

- Laufsport ist höchste Performance, Entspannung, Ausgleich "vor meiner Haustüre"; keine Anfahrtszeiten zu Sportanlagen: NULL Emissionen.

 

Allgemeine INFO:

Spätestens im Sommer 1988 dürfte auch Otto Normalverbraucher davon gehört haben. An einem heißen Junitag war James Hansen vom Nasa Goddard-Institut für Weltraumstudien in New York zu einer Anhörung vor dem amerikanischen Senat geladen. Während draußen das Thermometer auf Rekordwerte kletterte, erläuterte der Atmosphärenphysiker den Senatoren, dass die vier wämsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen in die 1980er Jahre fielen und 1988 vermutlich das bisher heißeste überhaupt werden würde. "Mit einer Konfidenz von 99 Prozent", berichtete Hansen, "ist die Wärme, die wir in dieser Periode sehen, ein realer Trend der Erderwärmung."

Die Hitzewelle trug diese Botschaft in die Medienwelt. Doch bis heute ist unklar, ob Hansen recht hatte. Wetterextreme mit der globalen Erwärmung in Verbindung zu bringen, ist statistisch äußerst heikel. Aber die Evidenz, die Hansen damals präsentierte, sollte politisch wirken, nicht wissenschaftlich überzeugen. Dass diese beiden Kriterien in der Klimaforschung zuweilen auseinanderfallen, ist bis heute ein Problem, wie gerade wieder an der Affäre um den Inhalt gestohlener Forscher-E-Mails zu besichtigen ist. Aber wenn eine wissenschaftliche Evidenz, die klar genug ist, um auch von Politikern verstanden zu werden, 1988 nicht zur Verfügung stand: Wie war man da überhaupt auf die Idee gekommen, dass sich das Erdklima erwärmt und der Mensch damit etwas zu tun haben könnte?

 

Was bewirkt Eiszeiten?

Zunächst dadurch, dass es den Treibhauseffekt gibt, der seinen Namen übrigens zu unrecht hat. Treibhäuser werden vor allem dadurch warm gehalten, dass ihre Glasscheiben erwärmte Luft im Inneren am Entweichen und kalte Luft am Eindringen hindern. Beim Teibhauseffekt dagegen geht es nicht um den Transport von Luft, sondern von infraroter Wärmestrahlung, die in der Atmosphäre zurückgehalten wird. Ohne diesen Effekt würden die Durchschnittstemperaturen auf der Erde deutlich unter dem Gefrierpunkt liegen. Diese Einsicht hatte als Erster der Franzose Joseph Fourier im Jahr 1824, ohne allerdings in Erfahrung zu bringen, was das Infrarot zurückhält. Erst 1859 fand der Brite John Tyndall heraus, dass Kohlendioxid und Wasserdampf für Infrarotstrahlen unduchlässig sind - Tyndall war auch der Erste, der den Effekt mit jenen Klimawandelphänomen in Verbindung brachte, von dem man damals bereits wusste: den Eiszeiten.

Tyndall vermutete hinter den Eiszeiten Austrocknungsereignisse, die der Erdatmosphäre den wärmenden Wasserdampf nähmen. Erst der Schwede Svante Arrhenius sah sich 1896 das Kohlendioxid genauer an und führte als Erster detaillierte Rechnungen durch, die zeigten, dass eine Halbierung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre die globalen Temperaturen um fünf Grand senken, eine Verdopplung sie hingegen um fünf bis sechs Grad anheben würde. Seine Vermutung: Hinter der Abfolge der Eiszeiten steckten Schwankungen im Kohlendioxidgehalt der Luft, etwa als Folge von Vulkanausbrüchen.

 

Die ersten Prognosen

Mit dieser Idee gilt Arrhenius heute als ein Ahnherr der Klimaforschung und als Entdecker der globalen Erwärmung als theoretisches Konzept. Er untersuchte auch schon die Klimawirkung der Abgase der Dampfmaschinen und Hochöfen seiner Zeit. Nach seinen Berechnungen, bei denen er notgedrungen starke Vereinfachungen vornehmen musste, würden die Menschen jahrtausendelang Kohle verbrennen müssen, bis sie den CO2-Gehalt der Luft verdoppelt und die Erde um ein paar Grad erwärmt hätten - ein Schluss, der den fortschrittsfrohen Wissenschaftler im kalten Schweden eher enttäuschte als ängstigte.

Trotzdem wurde Arrhenius' Theorie des Zusammenhangs zwischen CO2 und Klima bald heftig widersprochen - interessanterweise mit Argumenten, die noch heute von den sogenannten Klimaskeptikern im Umlauf gehalten werden: Erstens löse sich CO2 gut in Wasser, sodass die Ozeane die Emissionen schnell absorbieren würden. Zweitens verstärke eine CO2-bedingte Erwärmung die Bildung von Wolken, die Sonnenlicht ins Weltall zurückwürfen und damit einen kühlenden Effekt hätten. Schließlich war da noch das Argument der "Sättigung": Experimente zeigten, dass die Durchlässigkeit gasgefüllter Röhren für Infrarotstrahlung kaum von der CO2-Konzentration abhing. Der Grund: CO2 schluckt Infrarot bestimmter Wellenlängenbereiche, die zudem mit denen überlappen, bei denen der weitaus häufigere Wasserdampf Strahlung absorbiert. Schon Spuren beider Gase können alle Strahlung in diesen Bereichen abfangen. Gibt man mehr Gas hinzu, ändert das genauso wenig, wie wenn man vor einem heruntergelassennen Rolladen noch die Gardine zuzieht. Die Absorbtionskraft des Gases ist schon bei winzigen Spuren "gesättigt“.

Die Verhältnisse in der oberen Atmosphäre

Vor allem dieses Sättigungs-Argument verhinderte, dass Arrhenius' Idee viel Anhänger fand. Doch während die Rolle der Wolkenbildung sowie die Frage des Gasaustausches mit den Weltmeeren die Klimaforscher noch lange beschäftigt hat und in vielen Details bis heute umtreibt, ist die Sättigung seit Mitte der 1950er Jahre vom Tisch. Damals erkannte der gebürtige Kanadier Gilbert Plass, dass die Sättigung dort, wo die klimawirksame Absorption erfolgt, nämlich in der dünnen kalten Luft der oberen Atmosphäre, nicht auftritt, da die Absorptionsbereiche von CO2 und H2O dort sehr viel schmaler sind. Sie gleichen eher Vorhängen aus sehr dünnen und zudem beweglichen Schnüren, von denen sehr viele hintereinander hängen können, so dass jeder weitere noch etwas zusätzliches Licht schluckt.

Wie Arrhenius war auch Gilbert Plass vor allem an einer Erklärung der Eiszeiten interessiert. Als Spezialist für Infrarotsensoren in Lenkwaffen bei der Rüstungsfirma Lockheed hatte Plass Zugang zu den ersten Computern und berechnete damit auch den Klimaeffekt, den die Menschheit durch ihren CO2-Ausstoß hervorrufen würden. Er kam auf 1,1 Grad pro Jahrhundert.

Doch entdeckt war die globale Erwärmung auch damit nicht. Zwar waren die mittleren Temperaturen seit 1930 gestiegen, was von dem Briten Guy Stewart Callendar 1938 bereits mit dem menschlichen CO2 in Verbindung gebracht wurde. Doch noch hatte den CO2-Pegel niemand gemessen, geschweige denn einen Anstieg über die Jahre nachgewiesen. Damit galt noch immer das alte Argument gegen Arrhenius, der fossile Kohlenstoff würde eben vom Meer oder der Biosphäre aufgenommen.

Das Meer lässt aus

Dieser Einwand fiel 1960, als der Amerikaner Charles David Keeling die Ergebnisse seiner CO2-Messungen in der Antarktis und auf dem Mauna Loa auf Hawaii veröffentlichte. Keelings Kurve, heute eine der Ikonen der Zunft, zeigte eindeutig: die CO2-Konzentration stieg - und steigt bekanntlich bis heute.

Dass Keelings CO2 zumindest zum Teil aus Schornsteinen und Auspuffrohren stammen musste, legten Kohlenstoff-14-Daten nahe. Dieses Radioisotop entsteht durch Höhenstrahlung in der Atmosphäre und zerfällt danach binnen weniger Jahrtausende. Fossiler Kohlenstoff enthält daher kein C-14. Schon 1955 hatte Hans Suess, der österreichische Pionier der C-14-Methode, den Radiocarbongehalt im Holz von Bäumen, die vor der Industrialisierung gewachsen waren, mit dem zeitgenössischer Gewächse verglichen. Ergebnis: moderne Bäume enthalten eindeutig weniger C-14 als alte, was nur daran liegen kann, dass sie CO2 aufnehmen, dessen C teilweise aus der Verbrennung fossilen Materials stammt. Im Gegensatz dazu fand Suess im Meerwasser vergleichsweise wenig Kohlenstoff fossiler Herkunft. Das Meer nahm das CO2 der Menschen lange nicht so bereitwillig auf wie erwartet.

War der menschengemachte Treibhauseffekt damit endlich entdeckt? Noch lange nicht. Dank Dave Keeling war zwar der Anstieg der CO2-Pegel nachgewiesen. Allein, es fehlte die globale Erwärmung. Seit Mitte der 1940er waren die globalen Durchschnittstemperaturen sogar gefallen. Offenbar war das Klimasystem der Erde doch erheblich komplizierter als gedaccht.

Einzug der Computermodellierungen

Der Fortschritt der sechziger Jahre in der Klimaforschung bestand vor allem darin, dass nun das Ausmaß dieser Komplexität immer deutlicher wurde. Das geschah einmal durch den Einzug der Computermodellierungen, die zunächst in kompletten Fehlschlägen endeten, bis man erkannte, dass Klimavorgänge chaotische Prozesse sind. Zweitens begann sich endlich zu klären, was hinter den Eiszeiten steckt: Es waren periodische Änderungen des Erdorbits um die Sonne.

Das war bereits in den 1930er Jahren von dem serbischen Geophysiker Milutin Milankovic vorgeschlagen worden, doch die Änderungen der Sonneneinstrahlung, welche die sogenannten Milankovic-Zyklen mit sich brachten, galten lange als viel zu gering, um klimawirksam zu sein. Nun offenbarten immer mehr Daten eiszeitlicher Ablagerungen, dass das Kommen und Gehen der Eiszeiten tatsächlich diesen Zyklen folgte. Es mussten also verstärkende Rückkopplungseffekte am Werke sein, die aber auch zeigten: das Klima kann sich sehr viel abrupter ändern, als man es sich bis dahin hatte vorstellen können.

Doch da war schon das nächste Problem: Nach Milankovic befand sich das Erdklima geradewegs auf dem Weg in die nächste Eiszeit. Viel langsamer zwar, als eine Erwärmung durch anthropogenes CO2 vonstattengehen würde - aber die gemessenen Temperaturen sanken in den 1960er Jahre weiter. Gab es vielleicht auch Prozesse, welche die Abkühlung beschleunigten? Es war der Anfang der 1970er Jahre, und die Umweltbewegung hatte die Gesellschaft soeben dafür sensibilisiert, dass der Mensch möglicherweise auch imstande sei, in globalem Maßstab Schaden anzurichten. Warum nicht durch eine globale Abkühlung? Der Verdacht fiel auf die Aerosole aus den Abgasen, die der Erde einen Teil der Sonneneinstrahlung nehmen sollten. Andererseits gab es das CO2 und den Treibhauseffekt. Nur wenige, dafür aber lautstarke Forscher propagierten die Abkühlung, die Mehrheit war unentschieden, die Öffentlichkeit weniger: "Annother Ice Age" titelte das Time Magazine im Jahr 1974.

Weniger Schwefel gibt mehr globale Erwärmung

Die Eiszeit-Debatte endete 1977 durch ein Gutachten der amerikanischen National Acadamy of Science. Indem dieser Bericht zu dem Schluss kam, dass diejenigen Forscher, für welche die Computermodelle eher auf eine Erwärmung deuteten, dies besser belegen könnten als die Eiszeit-Theoretiker, wurde der Wendepunkt in der wissenschaftlichen Debatte um den Klimawandel erreicht. Eine zentrale Rolle spielte dabei der Nasa-Forscher James Hansen. Seine Gruppe konnte unter anderem zeigen, dass die beobachtete Abkühlung gar kein weltweites Phänomen war, sondern nur auf der Nordhalbkugel auftrat.

Ein klarer Trend zu einer wärmeren Welt ließ aber bis Anfang der 1980er Jahre auf sich warten. Ironischerweise lag das auch daran, dass die Eiszeit-Propheten in einem Punkt recht hatten: Die Aerosole, allen voran das Schwefeldioxid aus ungereinigten Abgasen, hatten die Erde gekühlt - und die globale Erwärmung damit verzögert, letzlich bis in die späten 1980er Jahre hinein. Dann hatten die strengen Abgasbestimmungen die Schwefelemissionen so weit gesenkt, dass die von den Computermodellen vorhergesagte allgemeine Erwärmung immer klarer sichtbar wurde.

Hätte Hansen sich also nur ein paar Jahre gedulden müssen, und dann hätte er wissenschaftlich belastbare Daten gehabt, mit denen er auch die Öffentlichkeit hätte überzeugen können? Wohl kaum. 1989 gründeten amerikanische Ölfirmen die "Global Climate Coalition", eine Lobbyorganisation, welche die Aufgabe hatte, Zweifel am menschengemachten Klimawandel zu säen. Bereits im Jahr davor hatten die Vereinten Nationen den Weltklimarat IPCC ins Leben gerufen. Die Klimaforscher waren in ihrer Debatte nicht mehr unter sich.

Literatur: Spencer R. Weart, „The Discovery of Global Warming.“ Revised and expanded edition. Harvard University Press, Cambridge, 2008.


 


 

 

Klimakonferenz

Rettet erst das Klima, dann die Welt

Von Myles Allen

07. Dezember 2009 Politiker sind mit dem Flugzeug nach Kopenhagen gekommen, manch ein Umweltaktivist strampelte per Fahrrad in Richtung dänischer Hauptstadt, von den Insidern aber glaubt keiner mehr, dass es auf der Klimakonferenz zu bindenden Abkommen kommt. Die öffentliche Meinung scheint das noch weniger zu erwarten, und der Ölpreis sinkt. Aber wie sagte General Eisenhower, als die dritte US-Armee in der Klemme steckte: „Meine Herren, wir sollten das als eine Chance sehen.“

Dies ist eine Chance, eine Chance für die Politiker. Sie können sich einmal mehr erklären lassen, warum eine Erwärmung um mehr als zwei Grad über den Wert vor Anbruch des Industriezeitalters wahrscheinlich gefährlich wird. Sie können sich nun aber auch klarmachen, dass alle Maßnahmen, über die sie bisher geredet haben, sich als völlig unzureichend erweisen dürften - und sie können eine ehrliche Debatte darüber beginnen, wie es stattdessen gehen könnte.

Waldbrände wird es infolge des Klimawandels wahrscheinlich häufiger geben
Waldbrände wird es infolge des Klimawandels wahrscheinlich häufiger geben

„Dafür sind wir aber nicht hergeradelt“, werden die sattelwunden Aktivisten murren. Doch man bedenke, was ein „Erfolg in Kopenhagen“ bedeuten könnte: endlose Sitzungen über Emissionsquoten, von denen die Unterhändler dann in ihre Heimatstaaten zurückkehren, um sich dafür auf die Schulter klopfen zu lassen, eine etwas höhere Quote ausgehandelt zu haben als erwartet, wie seinerzeit beim Blauflossen-Thunfisch. Anschließend verteilt jede Regierung ihre Emissionsrechte unter den Industriezweigen und Interessengruppen, die ihr am meisten am Herzen liegen, oder versteigert sie für wahnwitzige Summen. Da wundert es nicht, wenn Kritikern allzu ausufernder staatlicher Fürsorglichkeit, etwa dem tschechischen Präsidenten Václav Klaus, die Haare zu Berge stehen.

Nicht nur das linke Lager nimmt den Klimawandel ernst

Doch Präsident Klaus und seine Gesinnungsgenossen sollten aufpassen, was sie sich wünschen. Wahrscheinlich hoffen sie, dass die Kopenhagener Verhandlungen an einem Streit darüber scheitern, ob der Mensch das Klima nun beeinflusst oder nicht. Seit Jahren zweifeln sie am Klimawandel - entgegen einer überwältigenden Evidenz, dass es ihn gibt. Aber während sie noch in geklauten E-Mails von Klimaforschern wühlen, machen andere die Klimapolitik.

 

Nun gibt es durchaus auch Politiker, die den Klimawandel ernst nehmen, ohne dass sie dem linken Lager zuzurechnen wären. Einer Lösung des CO2-Problems durch globalen Emissionsrechtehandel, wie er im sogenannten Kyoto-Prozess vorgesehen ist, stehen auch sie skeptisch gegenüber. Doch stellen sie Kyoto nicht öffentlich in Frage, aus lauter Angst, mit den Klimaskeptikern in einen Topf geworfen zu werden. Also bekunden sie lustlos ihre Unterstützung für Kyoto und bleiben ansonsten bei Floskeln und Fototerminen.

Begrenzung auf Zeit ist der falsche Ansatz

Doch unsere Erkenntnisse darüber, wie sich ein gefährlicher Klimawandel noch vermeiden ließe, machen es zunehmend schwieriger, daran zu glauben, dass uns politisch ausgehandelte Regeln über Emissionsrechte irgendwohin führen. Ein weitverbreitetes Missverständnis besteht in der Annahme, da nur 50 Prozent des freigesetzten Kohlendioxids in der Atmosphäre verbleiben, müssten wir die globalen Emissionen um 50 Prozent senken und der Anstieg der CO2-Konzentrationen wäre gestoppt, eine Vorgabe wie „50 Prozent Emissionssenkung im Jahr 2050“ würde mithin das Problem lösen. Leider stimmt das nicht. Denn die anderen 50 Prozent bleiben im Oberflächenwasser der Meere und der Biosphäre, nur ein sehr kleiner Teil davon pro Jahr wird langfristig aus dem aktiven Kohlenstoffzyklus entfernt. CO2 würde sich weiterhin in der Atmosphäre ansammeln, eine 50-prozentige Emissionssenkung würde die Konzentrationen weiter steigen lassen, nur eben etwa halb so schnell wie zuvor.

Wenn wir einen gefährlichen Klimawandel verhindern wollen, dann müssen wir die sogenannten „kumulativen Emissionen“ begrenzen, also die Menge allen Kohlendioxids, das wir jemals in die Atmosphäre gepumpt haben oder in Zukunft pumpen werden - und eben nicht die Menge pro Jahr oder sonst einem Zeitintervall. Das ist eine relativ unumstrittene wissenschaftliche Tatsache, seltsamerweise aber ist sie in den in Kopenhagen zur Debatte stehenden Texten nirgends erwähnt.

Das Emissionsziel für 2020 kann wirkungslos bleiben

Die Bedeutung der kumulativen CO2-Emissionen wurde in mehreren 2009 veröffentlichten Untersuchungen deutlich. In einem dieser Fachartikel haben meine Koautoren und ich berechnet, wie viel Kohlenstoff aus fossiler Energienutzung, Zementproduktion und Entwaldung, freigesetzt über die gesamte Zeit vom Beginn der Industrialisierung bis in alle Zukunft, wahrscheinlich eine Erwärmung von zwei Grad verursachen würde. Wir kamen auf etwa eine Billion Tonnen.

Wie schnell wir diese Billion Tonnen emittieren, wirkt sich auf die langfristige Erwärmung so gut wie nicht aus (siehe Infografik „Drei Wege zur billionsten Tonne”). Je höhere Emissionen wir also kurzfristig zulassen, desto schneller müssen sie anschließend fallen. Die Emissionen des Jahres 2020 spielen insofern eine Rolle, als sie die kumulative Gesamtmenge beeinflussen, aus ihnen allein folgt aber kein Risiko einer gefährlichen Klimaerwärmung. Das zu verstehen ist wichtig. Denn viele Lösungen, die darauf abheben, ein Emissionsziel im Jahr 2020 zu erreichen, könnten langfristig wirkungslos bleiben oder die Bilanz sämtlichen von Menschen jemals freigesetzten Kohlendioxids am Ende sogar verschlimmern.

Uns bleibt noch eine Vierteltonne

Gleichzeitig mit unserer Arbeit erschien eine zweite Studie, in der Malte Meinshausen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und seine Kollegen zu dem Schluss kommen, dass sich das Risiko einer Überschreitung der Zwei-Grad-Grenze nur dann auf 25 Prozent begrenzen lässt, wenn die kumulative Gesamtmenge allen jemals von Menschen emittierten Kohlenstoffs auf eine dreiviertel Billion Tonnen begrenzt bleibt. Seit Beginn der Industrialisierung wurde bislang etwa eine halbe Billion Tonnen freigesetzt, was bedeutet, dass wir in Zukunft nur die Hälfte dieser Menge bis höchstens noch einmal so viel emittieren dürfen.

Aber ist überhaupt noch so viel fossiler Brennstoff da? Die Schätzungen schwanken, aber man rechnet mit etwa einer halben Billion Tonnen Kohlenstoff in nutzbaren Öl- und Gaslagerstätten sowie bis zu drei Billionen Tonnen Kohle. Es gibt also keine Chance, dass uns die Brennstoffe ausgehen, bevor der Platz in der Atmosphäre knapp wird, in dem wir das CO2 abladen.

Das hieße: Amerika muss emissionsfrei werden

Dieser Erkenntnis folgt auch ein Bericht des Wissenschaftlichen Beirates Globale Umweltveränderungen (WBGU) der deutschen Bundesregierung, der im Juni erschien. Seine Autoren schlagen ein Emissions-„Budget“ für die Zeit zwischen 2020 und 2050 vor, das der kumulativen Gesamtemissionsmenge von einer dreiviertel Billion Tonnen Kohlenstoff entspricht. Dieses Budget soll nun auf alle Länder der Erde entsprechend ihrer Bevölkerungsstärke verteilt werden. Das hätte zur Folge, dass die Vereinigten Staaten ihre Emissionen um das Jahr 2020 auf null herunterfahren müssten. Gegenwärtig bieten die Amerikaner an, im Jahr 2020 ihre CO2-Emissionen um 17 Prozent unter das Niveau des Jahres 2005 zu senken.

Würde der Vorschlag des WBGU umgesetzt, könnten Industrienationen wie Amerika nur dann mehr CO2 emittieren, wenn sie ärmeren Ländern wie Indien Emissionsrechte abkauften. Es käme also zu einem erheblichen Finanztransfer von den reicheren Nationen in die ärmeren.

Als Wissenschaftler teile ich die Einschätzung des WBGU, wonach es die kumulativen CO2-Emissionen sind, die begrenzt werden müssen, die Zwei-Grad-“Leitplanke“ nicht überschritten werden darf und das gesamte Kohlenstoffbudget sich daran orientieren muss. Das betone ich ausdrücklich - denn als Bürger stehen mir angesichts des Rezeptes dafür, wie dieses Ziel verwirklicht werden soll, ähnlich die Haare zu Berge wie Václav Klaus.

Das Aus für die Glühbirne war nichts dagegen

Das Problem mit dem WBGU-Vorschlag ist das gleiche wie das der globalen Kohlenstoffsteuer, die der Klimaforscher James Hansen von der Nasa ins Gespräch gebracht hat, oder die Idee einer Versteigerung von Emissionsberechtigungen. Alle diese Vorschläge laufen auf eine massive Ausweitung staatlicher Gewalt hinaus. Es wird zwar behauptet, das Geld aus Kohlenstoffsteuern oder Berechtigungsauktionen könne doch dazu genutzt werden, anderswo die Steuerlast zu senken. Aber dazu muss es immer noch durch nationale und supranationale Haushalte geschleust werden. Wenn dieses Geld dabei aber unter die direkte Kontrolle von Politikern gerät, so wissen wir alle, was sie damit machen werden. Und wenn man es einer politisch neutralen „Weltklimabank“ anvertraut, wer zieht dann die Direktoren dieser Bank gegebenenfalls zur Verantwortung?

Bei uns in Großbritannien war zu verfolgen, wie die Öffentlichkeit zunehmend feindselig auf selbst bescheidene Klimaschutzmaßnahmen wie das Aus für die Glühbirne reagiert. Oft wird gesagt, und ganz zu Recht, dass sich ein gefährlicher Klimawandel nur mit Maßnahmen verhindern lässt, die noch viel stärker in das Alltagsleben der Bürger eingreifen. Da wird dann oft das Bild des „Kriegszustandes“ gebraucht, der über die Welt verhängt werden müsse - in einem Krieg dürfen ja Bürgerrechte eingeschränkt und Rationierungen angeordnet werden.

Wir können auch anders

Die Medien neigen gelegentlich dazu, sich die Debatte um den Klimawandel als einen Mannschaftssport vorzustellen, in dem jemand, der die Sache wissenschaftlich genauso beurteilt wie ein anderer, mit diesem auch in allem anderen einer Meinung sein müsse. Wer den Klimawandel ernst nimmt, so diese Wahrnehmung, muss also für den Kyoto-Prozess sein. Doch angesichts der zu erwartenden Folgen des Klimawandels in den kommenden 20 Jahren glaube ich kaum, dass die Öffentlichkeit bereit ist, für die Lösung des Problems solche Opfer zu bringen; jedenfalls nicht, wenn sie es als von oben verordnet wahrnimmt.

Aber geht es auch anders? Die „Alternativen“, welche etwa der Kyoto-Kritiker Björn Lomborg oder die Regierung Bush vorgebracht haben, waren lächerlich ineffektiv. Es scheint nur die Wahl zu geben, sich Kyoto anzuschließen oder gar nichts zu tun. Was wir also dringend brauchen, ist eine ehrliche Debatte über Alternativen zu globalen Kohlenstoffsteuern oder Emissionshandels-Systemen, aber über solche, die wirklich greifen und einen gefährlichen Klimawandel verhindern können.

In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature Geoscience” stellen mein Oxforder Kollege David Frame, der Wirtschaftswissenschaftler Chuck Mason von der University of Wyoming und ich solch eine Alternative vor. Wir nennen sie „Safe Carbon“ für „Sequestered Adequate Fraction of Extracted Carbon“, zu Deutsch: sequestrierter adäquater Anteil am geförderten (fossilen) Kohlenstoff. Wie der WBGU gehen wir dabei von der Tatsache aus, dass die Gesamtmenge des Kohlenstoffs, den wir ohne schlimmere globale Schäden in Form von CO2 in die Atmosphäre entweichen lassen dürfen, begrenzt ist. Und davon, dass diese Menge erheblich kleiner ist als die noch vorhandenen Reserven an fossilen Brennstoffen.

Aus dem aktiven Kohlenstoffkreislauf entfernen

Um einen gefährlichen Klimawandel abzuwenden, gilt es sicherzustellen, dass die Nettorate, mit der fossiler Kohlenstoff in die Atmosphäre gelangt, auf null fällt, bevor wir die Kapazitätsgrenze der irdischen Lufthülle erreicht haben, also jene geschätzten drei viertel bis eine Billion Tonnen. Ein Weg, das zu erreichen, bestünde darin, die Erdöl-, Erdgas- und Kohleförderindustrie dazu zu verpflichten, einen stetig wachsenden Anteil des Kohlenstoffes, den diese Unternehmen aus der Erde holen, zu sequestrieren, das bedeutet: ihn künstlich aus dem aktiven Kohlenstoffkreislauf zu entfernen.

Wie die Förderunternehmen das machen, das sollte man ihnen, soweit es geht, selbst überlassen. Man könnte Kohlendioxid in der Erdkruste einlagern oder, unter Beachtung von Umweltschutzgesichtspunkten, in der Tiefsee. Vielleicht findet man ja sogar ein wirtschaftliches Verfahren, das CO2 in Kalkstein verwandelt.

Eine Bezugsquelle für Safe Carbon wäre also eine, bei welcher der sequestrierte Anteil genau so mit den kumulativen CO2-Emissionen verknüpft ist, dass dieser Anteil auf 100 Prozent steigt, bevor die Aufnahmekapazität der Atmosphäre erschöpft ist (siehe Grafiken „Sicherer Kohlenstoff“). Den genauen Verlauf dieses Anstiegs können die Politiker aushandeln, doch viel Spielraum gibt es nicht: Am Ende, wenn die billionste Tonne CO2 emittiert wird, müssen 100 Prozent des geförderten Kohlenstoffs sequestriert werden.

Wie teuer das wird, weiß noch niemand

Wenn jeder nur Treib- und Brennstoffe aus Safe Carbon nutzen würde, dann spielte es für das Klima keine Rolle, wie viel wir verbrauchten (siehe Grafiken „Sicherer Kohlenstoff”). Die Freisetzung von anderen Treibhausgasen, etwa von Methan, müsste nach unserem Vorschlag - genauso wie nach dem des WBGU - separat kontrolliert werden. Dann würde ein gefährlicher Klimawandel verhindert werden, ohne irgendwelche Steuern und ohne irgendjemandem vorzuschreiben, wie viel er höchstens verbrauchen darf.

Preiswert ist das natürlich nicht. Verfahren zum sogenannten „Carbon Capture and Storage“ (CCS), also dem Auffangen und Sequestrieren von verfeuertem fossilen Kohlenstoff, sind teuer. Wie teuer, weiß noch niemand, weil es noch niemand macht. Der Wechsel zu Brennstoffen aus Safe Carbon dürfte die Kosten fossiler Energie im Laufe der nächsten 30 Jahre aber gut und gern verdoppeln. Dennoch: Wenn eine Industriebranche weiß, dass sie etwas tun muss, um ihren profitablen Geschäften weiterhin nachgehen zu können, dann ist sie erfahrungsgemäß ziemlich gut darin, herauszufinden, wie sie das auf die preiswerteste Art und Weise anstellen kann. Im Moment gibt es für CCS lediglich eine Handvoll staatlich finanzierter Pilotprojekte, bei denen keineswegs gesagt ist, dass sich damit die kostengünstigsten Verfahren herausfinden lassen. Was wir brauchen, sind sehr viel ernstere Anstrengungen.

Die Verbraucher würden die Rechnung direkt bezahlen

Die Pipelines, Häfen und Bergwerke, aus denen die Europäische Union ihre fossilen Energieträger bezieht, lassen sich leicht überwachen. Die EU könnte daher die Unternehmen, die sie mit fossilen Brennstoffen versorgen, innerhalb eines Jahrzehnts dazu verpflichten, nur noch Safe Carbon zu liefern. Und ihre Handelspartner wären eingeladen, das Gleiche zu tun.

Bei einer Safe-Carbon-Regelung kämen auf jeden Verbraucher höhere Kosten für fossile Energie zu. Doch damit würden sie direkt die Rechnung dafür begleichen, dass ihr Verbrauch das Klima nicht weiter gefährdet. Sie zahlen keine Steuer oder Strafgebühr, die explizit darauf abzielt, sie zu einer Änderung ihres Verbraucherverhaltens zu zwingen. Mir persönlich wäre das eindeutig lieber, denn ich möchte mir nicht ein Leben lang darüber Gedanken machen müssen, ob ich denn mein Verhalten nun ausreichend geändert habe.

Es könnte natürlich gut sein, dass die höheren Kosten für klimaneutrale Brennstoffe viele Leute dazu bewegen würden, lieber Kernenergie oder erneuerbare Energiequellen zu nutzen - oder einfach nicht mehr so lange heiß zu duschen. Aber die Entscheidung sollte jedem selbst überlassen bleiben.

Warum viele Aktivisten protestieren werden

Safe-Carbon-Energieträger kämen jeden gleich teuer, den Reichen wie den Armen. Warum aber sollte ein Land wie Indien sich dann darauf einlassen? Der Punkt ist: Indien als Ganzes brauchen wir nicht, um Safe Carbon zu nutzen; wir brauchen lediglich die indischen Industrieunternehmen, die uns ihre Produkte verkaufen wollen. Nur sie müssen wir dazu verpflichten, ihre fossile Energie allein aus Safe Carbon zu beziehen. Arme Bauern, wo immer sie sind, tragen zum Klimawandel nur sehr wenig bei, und natürlich müssen wir ihnen helfen. In einem Abkommen, das jeden dazu verpflichten würde, ab sofort nur noch Safe Carbon zu verfeuern, würden daher sinnvollerweise die Hauptverursacher der bisherigen kumulativen Emissionen den größten Teil der Kosten einer Adaptation an die schon heute unvermeidlichen Folgen des Klimawandels tragen.

Viele der Aktivisten, die sich auf den Weg nach Kopenhagen gemacht haben, werden trotzdem gegen diesen Vorschlag protestieren. Denn sie werden eine Safe-Carbon-Regelung als eine verpasste Chance dafür sehen, mit Hilfe der Klimaschutzpolitik den globalen Reichtum umzuverteilen oder alle anderen Übel der Welt zu beseitigen. Doch wenn eine Politik sinnvoll ist, dann ist sie aus sich selbst heraus sinnvoll. Wenn wir vom Klimaschutz erwarten, noch mehr zu erreichen, als das Klima zu schützen, riskieren wir, gar nichts zu erreichen.

Myles Allen leitet die Forschungsgruppe Klimadynamik am Physik-Department der Universität Oxford und wirkte bei den letzten beiden Berichten des Weltklimarates IPCC mit.

Der Artikel basiert auf einem Essay in der Fachzeitschrift „Nature Geoscience”.

 

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